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	<title>Zeitung erleben</title>
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	<description>Felix Scheidl</description>
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		<title>Das falsche Grün</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 16:57:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Köln standen in den letzten Monaten vier Kunstfälscher vor Gericht: Sie haben 14 Bilder gefälscht und damit fast zehn Millionen Euro verdient. Ein Würzburger Sammler erwarb im Tausch eines der gefälschten Gemälde. Erschienen in: Bayerische Staatszeitung, Seite 3 Liegender weiblicher Akt mit Katze, Rotes Bild mit Pferden und Vogel im Winterwald hießen drei der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="alignleft size-full wp-image-1165" title="akt" src="http://felixscheidl.de/wp-content/uploads/akt.jpg" alt="" width="448" height="212" />In Köln standen in den letzten Monaten vier Kunstfälscher vor Gericht: Sie haben 14 Bilder gefälscht und damit fast zehn Millionen Euro verdient. Ein Würzburger Sammler erwarb im Tausch eines der gefälschten Gemälde. </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Erschienen in: Bayerische Staatszeitung, Seite 3</p>
<p>Liegender weiblicher Akt mit Katze, Rotes Bild mit Pferden und Vogel im Winterwald hießen drei der 14 Bilder<span id="more-1164"></span> die seit 1995 aus einer Privatsammlung auftauchten und die renommierte Auktionshäuser, wie Christie´s, Sotheby´s oder das Kölner Kunsthaus Lempertz versteigerten. Die Kölner Schwestern Helene Beltracchi und Jeanette Spurzem hätten sie angeblich von ihrem Großvater geerbt. Die Bilder trugen die Namen von berühmten Künstlern wie Max Pechstein, Max Erst und Heinrich Campendonk.</p>
<p>Doch die Gemälde sind gefälscht. Wolfgang Beltracchi, der Mann von Helene Beltracci, hatte sie selbst gemalt. Das gestand er im September vor dem Landgericht Köln. Am vergangenen Donnerstag verurteilte ihn das Gericht zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Seine Frau Helene muss für vier Jahre, der Komplize Otto S.-K. für fünf Jahre ins Gefängnis. Helene Beltracchis Schwester Jeanette Spurzem erhielt ein Jahr und neun Monate auf Bewährung. Das Gericht sprach das Quartett des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs schuldig.</p>
<p>Fast 10 Millionen Euro Schaden sollen der Kunstszene entstanden sein. Das Bild „Liegender Akt mit Katze“ beispielsweise ersteigerte für 430.000 Euro die renommierte Galerie Henze &amp; Ketterer im Jahre 2003 beim Kunstauktionshaus Lempertz in Köln. Bei Henze &amp; Ketterer sah es der Würzburger Kunstsammler Hermann Gerlinger im Jahr 2004. Gerlinger sammelt Werke der Brücke-Künstlergruppe, eine expressionistische Gruppierung die 1905 in Dresden entstand, zu der auch der Künstler Max Pechstein zählt.</p>
<p>„Verschiedene Expertenmeinungen ließen keine Zweifel an der Echtheit des Bildes Liegender Akt mit Katze von Pechstein“, sagt Hermann Gerlinger. Das Gemälde hatte ein Echtheitssiegel von Ernst Ludwig Kirchner, dem Gründer der Brücke-Künstlergruppe. Selbst der Sohn des angeblichen Malers Max Pechstein hat gegenüber dem Kölner Kunsthaus Lempertz eine mündliche Echtheitsbestätigung abgegeben. Außerdem gibt es ein authentisches Aquarell zum Gemälde von Max Pechstein, an dem sich der Fälscher orientiert hat. So erwarb Kunstsammler Gerlinger das Ölgemälde „Liegender Akt mit Katze“ im Tausch gegen ein Gemälde aus seiner Sammlung mit einem Wertausgleich. Anzunehmen ist, dass mit einen Händleraufschlag der Wertansatz über dem Auktionspreis von 430.000 Euro lag. Über genaue Summen will Gerlinger nicht sprechen. „Es geht um Kunst“, sagt er.</p>
<p>Hermann Gerlinger und seine Frau Hertha kauften ihre ersten Werke in den 50er Jahren. Heute hat Gerlinger die größte Privatsammlung an Brückewerken, die er als Dauerleihgabe in der Moritzburg in Halle an der Saale ausstellt. Gerne erzählt Gerlinger davon, wie er mit seiner Frau 1975 beim Brückekünstler Karl Schmidt Rottluff saß und Tee trank. Beide waren fasziniert von dem Werk „Du und ich“. Schmidt Rottluff hatte es für seine Frau zur Hochzeit gemalt. Gerlinger fragte, ob sich Schmidt Rottluff vorstellen könne, dass das Bild zu ihm komme. Wenige Wochen später kam ein Brief: Schmidt Rottluff hatte das Bild für Gerlinger reserviert. Gerlinger pflegte, soweit möglich, engen Kontakt zu den Künstlern und ihren Angehörigen. So konnte er immer sicher sein, dass die Werke, die er kaufte, echt waren.</p>
<p>René Allonge, Kriminalhauptkommissar und Leiter der Dienststelle für Kunstkriminalität beim LKA Berlin leitete die Ermittlungen in Sachen Beltracchi: Im Juni 2010 erstattete eine Berliner Anwältin, deren Klient das „Rote Bild mit Pferden“ erworben hatte anzeige, weil Zweifel an der Echtheit des Bildes aufkamen. Ebenso wie Gerlingers Bild stammte das Gemälde angeblich aus der Sammlung von Helene Beltraccis Großvater. &#8220;Wir ließen 13 Gemälde beschlagnahmen&#8221;, sagte Allonge vom LKA. Das Gemälde von Gerlinger wurde nicht beschlagnahmt. Am 5. August 2010 hat es Gerlinger freiwillig dem Bayerischen Landeskriminalamt übergeben, um von Amtswegen feststellen zu lassen, ob das Bild echt oder falsch ist. Gerlingers Bild wurde im Rathgen-Forschungslabor in Berlin naturwissenschaftlich untersucht. Das Bild wurde mit UV-Licht und Infrarot bestrahlt, um Vorzeichnungen auf der Leinwand zu erkennen. Anschließend folgte eine Analyse der Farbpigmente und Bindemittel.</p>
<p>Erst im Dezember 2010, fast ein halbes Jahr nach der Übergabe des Bildes, stand nach einer chemischen Analyse fest, dass das Bild gefälscht war. In der grünen Farbe des Bildes hatten die Chemiker Spuren von Phthalocyanin gefunden – ein Stoff der erst 1927 entdeckt und ab 1935 in den Farbhandel gelangte. Unmöglich konnte mit dieser Farbe 1909 ein Gemälde entstanden sein –doch auf dieses Jahr war das Gemälde „Liegender Akt mit Katze“ datiert.</p>
<p>Gerlinger musste Häme über sich ergehen lassen. „Würzbuger geleimt“, schrieb eine Zeitung. Viele der Geschädigten wurden belächelt, weil sie die Fälschung nicht erkannt haben. In seinem Wohnzimmer schlägt Gerlinger ein Kunstbuch aus dem Jahr 2004 auf und deutet auf ein Aquarell, das wie eine Vorlage der Kunstfälschung aussieht. „Dies ist ein Beleg für das Vorgehen von Fälschern. In diesem Fall gibt es ein authentisches Aquarell des Künstlers Pechstein, das der Fälscher als exakte Vorlage benutzt und danach das Ölgemälde abgemalt hat“, sagt er. Eine andere Vorgehensweise sei, dass ein Fälscher Teile aus authentischen Werken übernimmt und zu einer neuen Komposition zusammensetzt. Dies und eine fast perfekt gefälschte Provenienz, die Vorgeschichte des Bildes, hätten die Fälschungen so echt erscheinen lassen. Gerlinger bezeichnet das Gemälde als „sehr raffinierte Fälschung“. Rahmen und Leinwand haben die Fälscher auf dem Trödel gekauft, denn sie stammten aus der Zeit, zu der das Gemälde entstanden sein soll.</p>
<p>Wolfgang Beltracchi muss für die Fälschung von 14 Gemälden sechs Jahre ins Gefängnis. Verurteilt wurde das Quartett wegen Banden- und Gewerbsmäßiger Urkundenfälschung und Betruges. Denn in Deutschland gibt es keinen Tatbestand der Kunstfälschung. „Das Höchststrafmaß in solchen Verfahren bei mehreren Fällen liegt bei 15 Jahren Haft“, erklärt Dr. Christian Hoppe Stellvertretender Pressesprecher vom Landgericht Köln. Die Richter hätten im Verfahren strafmildernd berücksichtigt, dass die Angeklagten geständig waren und keine Vorstrafen hatten. Das Landgericht Köln geht von einem Schaden von neun bis zehn Millionen Euro aus. Ob die Geschädigten Geld zurückbekommen, müssen nun Zivilgerichte klären. Hier können die Käufer Schadensersatzansprüche einklagen. Hermann Gerlinger selbst entstand kein Schaden. Er konnte das Tauschgeschäft mit der Galerie Henze &amp; Ketterer rückgängig machen.</p>
<p>Während seiner Untersuchungshaft hat Wolfgang Beltracchi immer wieder mit Stolz und Arroganz über seine Fälschungen gesprochen. &#8220;Ich malte Gemälde, die im Werk eines Künstlers eigentlich nicht hätten fehlen dürfen“, zitiert ihn der Stern. Und ergänzte, dass es ihm richtig Spaß gemacht habe, die Werke zu Fälschen. Hermann Gerlinger ist deshalb sehr enttäuscht über das Kölner Urteil. „Fälscher stellen sich gerne in den Prozessen zur Schau. Sie wollen berühmt werden und mit ihren Werken später viel Geld verdienen“, sagt Gerlinger. Dass das Gericht für das Geständnis von Beltracchi die Haftstrafe verkürzte, kann Gerlinger nicht verstehen. „Wer sich mit seiner Tat in einem Geständnis brüstet, darf dafür nicht belohnt werden“, sagt er.</p>
<p>Auch echauffierte sich Beltracchi in dem Prozess über den Kunsthandel: „Ich mochte den Kunstmarkt und die Galeristen nicht besonders“, sagte er. Man müsse wissen, wie der Kunstmarkt funktioniert, wo die Gier am größten sei. Eine Kritik, die auch aus dem Munde Gerlingers stammen könnte: „Es gibt Leute, die viel Geld für Kunstwerke ausgeben weil sie hoffen, dass die Preise steigen. Das sind keine Kunstsammler sondern Kapitalanleger. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Kunst zu tun“, sagt Gerlinger. Diese Kapitalanleger machten es den wahren Sammlern schwierig, ihre Sammlung zu ergänzen, denn bei derart hohen Preisen könne Gerlinger nicht mithalten.</p>
<p>Gerlinger hat eine andere Kunstphilosophie: Er kauft Werke, die vom Markt in ihrer Bedeutung noch nicht erkannt wurden. Es ist dabei natürlich wichtig das Schaffen der Künstler genau zu kennen. „Wir pflegten den Kontakt zu Schmidt Rottluff nicht um besonders preisgünstig zu kaufen. Er hatte ganz feste, aber angemessene Preisvorstellungen“, sagt Gerlinger. Der wahre Grund für den engen Kontakt zum Künstler sei die Möglichkeit besonders wichtige Werke zu erwerben, wie zum Beispiel „Du und ich“. Es waren oft Bilder, die der Künstler über lange Jahre für sich selbst verwahrt hat.</p>
<p>Als Gerlinger das Buch mit dem Aquarell „Liegender weiblicher Akt mit Katze“ wieder in sein Bücherregal räumt, fällt ihm ein Satz neben dem Aquarell auf: „Nach der Vorliegenden Zeichnung entstand auch ein Ölgemälde, das Pechstein in seinen Lebenserinnerungen als eines seiner Hauptwerke des Jahres 1909 hervorhebt.“ Es gab also tatsächlich ein Gemälde zum Aquarell. Vielleicht wurde es im Krieg zerstört. Die Hoffnung Gerlingers ist zwar gering, „aber vielleicht kommt eines Tages das echte Gemälde wieder auf. Schön wäre es, wenn es dann in der Sammlung in der Moritzburg hängen könnte“, sagt Gerlinger.</p>
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		<title>Fremde Eltern</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Oct 2011 16:02:16 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wenn Richter und Jugendämter in Deutschland über die Zukunft von Kindern aus Scheidungsfamilien entscheiden, zählt meist der Kindeswille. Doch sitzen Kinder im Trennungskrieg zwischen den elterlichen Fronten, wissen sie selbst nicht mehr was sie wollen. Interressensverbände und Politiker fordern eine bessere psychologische Ausbildung für Juristen. Felix Scheidl für die Bayerische Staatszeitung (Die Seite 3) Anne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="alignleft size-full wp-image-1157" title="Kinder leiden meist unter Trennungen" src="http://felixscheidl.de/wp-content/uploads/eltern.jpg" alt="" width="445" height="191" />Wenn Richter und Jugendämter in Deutschland über die Zukunft von Kindern aus Scheidungsfamilien entscheiden, zählt meist der Kindeswille. Doch sitzen Kinder im Trennungskrieg zwischen den elterlichen Fronten, wissen sie selbst nicht mehr was sie wollen. Interressensverbände und Politiker fordern eine bessere psychologische Ausbildung für Juristen.</em></p>
<p><em>Felix Scheidl für die <a href="http://www.bayerische-staatszeitung.de/" target="_blank">Bayerische Staatszeitung</a></em> (Die Seite 3)</p>
<p>Anne hat Angst &#8211; vor ihrem Ex-Mann<span id="more-1156"></span> und ihrem eigenen Sohn. Eigentlich heißt sie nicht Anne, aber in diesem Text will sie ihren Namen nicht lesen. Sie wohnt im sechsten Stock eines Wohnblocks in München. Vom Balkon hat Anne einen schönen Blick über die Innenstadt mit seinen vielen Grünflächen und Kirchen. Unter einem der Dächer, die Anne von ihrem Balkon in der Weite sieht, muss ihr Sohn leben. Wo genau weiß Anne nicht, denn seit ihrer Trennung vor zwölf Jahren, hat sie nur selten von ihm gehört.</p>
<p>Auch Gewalttätig sei ihr Ex-Mann gewesen, er habe Anne geschlagen, erzählt sie. „Ich wusste, dass eine Trennung zu einer Katastrophe führt“, sagt sie heute. Eines Nachts setzte sie ihr Mann vor die Tür. Anne entschied nicht mehr zurückzukehren. Ihr Mann forderte Anne später auf, zur Familie zurückzukehren – doch sie hatte Angst, wieder in den Strudel der psychischen und körperlichen Gewalt zu geraten. „Er begann zu Stalken:  rief mich bis zu vierzig mal am Tag an oder tauchte unangekündigt bei mir in der Arbeit auf,“ erzählt Anne.  Mit ihrer Trennung gerieten auch ihr Sohn, damals 16 und ihre Tochter, damals 12 in den Scheidungskrieg. Kaum hatte Anne den Kontakt zu ihrem Mann abgebrochen, sprachen auch ihre Kinder nicht mehr mit ihr. Für die Kinder war Anne schuld an der Trennung – so zumindest hatte es der Vater erzählt, bei dem die Kinder lebten.</p>
<p>Dass es immer wieder vorkommt, dass ein Elternteil Kinder entfremdet, weiß die Würzburger Psychologin Christiane Förster. Annes Fall bezeichnet sie als besonders schweren Entfremdungs-Fall: „Kinder werden bei Sorge- und Umgangsrechtsstretigkeiten immer wieder instrumentalisiert. Das mündet meist im Hass gegen einen Elternteil, wenn Richter und Psychologen nicht unverzüglich eingreifen.“ PAS, parental alienation syndrom oder Eltern-Kind-Entfremdung, nennt man dies. In Amerika ist das Syndrom seit 1985 bekannt. In Deutschland hingegen kennen sich bis heute die wenigsten Richter, Anwälte, Psychologen, Gutachter und Jugendämter mit der Entfremdung aus. Also die Stellen, die über die Unterbringung der Kinder in Streitigkeiten entscheiden. „Wenn die Kinder empfänglich für Entfremdung sind, kann ein Elternteil sie gänzlich gegen den Ex-Partner aufhetzen. Sollen Kinder dann vor Geicht sagen, ob sie beim Vater oder der Mutter leben wollen, haben sie längst keine eigene Meinung mehr“, so Förster.</p>
<p>Das musste auch Anne erfahren: Im Sorgerechtsverfahren entschieden die Kinder, dass sie beim Vater leben wollten. Der Richter folgte dem Willen der Kinder. „Meine Tochter sagt heute, dass das nie ihr eigener Wille war. Ihr Vater hatte ihnen täglich eingeredet, ich sei Schuld an der Trennung. Er hatte sie sogar gezwungen mich in Anrufen und Briefen zu beschimpfen“, sagt sie. Und hörte Anne über Jahre nur in Drohbriefen und Beschimpfungen am Telefon von ihren Kindern. Auf Pakete und Briefe, die sie ihren Kindern schickte, erhielt sie nie eine Antwort. Im Scheidungsverfahren bekam Anne ein Sorgerecht und Umgangsrecht für die Kinder zugesprochen. Ein Recht auf die Sorge für ihre Kinder, die vom Vater gegen sie aufgehetzt waren.</p>
<p><strong>Ämter überfordert</strong></p>
<p>„Ich wusste, dass mein Mann gewalttätig war, dass er den Kindern den Umgang mit mir verbot, sie gegen mich aufhetzte. Für eine Einigung war es zu spät. Die Kinder mussten weg von ihrem Vater“, sagt Anne. Sie meldete sich beim Jugendamt. Doch auch das konnte ihr nach mehren Gesprächen mit Vater, Tochter und Sohn nicht helfen. Am 28. Mürz 2002 schrieb das zuständige Amtsgericht nach den Gesprächen der Familie mit dem Jugendamt, dass ein „schwerer Elternkonflikt“ zu erkennen sei. Außerdem gebe es „Hinweise, das die Tochter in dem Konflikt instrumentalisiert wird und sehr unter Druck steht.“ Am Telefon soll das Jugendamt ihr gegenüber sogar zugegeben habe, dass man davon ausgehe, dass der Vater gewalttätig sei, aber sich nicht traue, in die Familiensituation einzugreifen. „Seitdem habe ich weder vom Amtsgericht, noch vom Jugendamt etwas gehört“, sagt Anne.</p>
<p>Solche Verfahren mit überforderten Juristen kennt Rechtsanwalt Jürgen Rudolph: „Ich war 30 Jahre Familienrichter, und habe die ersten 14 Jahre die selben Fehler gemacht, die heute wie sie heute noch Standard sind“, sagt er heute. Er habe, wie es viele Richter noch immer tun würden, über die Zukunft von Familien entschieden, ohne die Verantwortung der Eltern anzufordern.</p>
<p>Rudolph wollte etwas ändern und gründete mit Kollegen die Cochemer Praxis – benannt nach der Mosel-Stadt, in der Rudolph 29 Jahre Familienrichter war. Nach der Praxis müssen die Eltern besonders nach der Trennung ihre Verantwortung für die Kinder wahrnehmen. „Wir erarbeiten mit den Eltern eine Lösung für die Kinder. Es gibt einen frühen Gerichtstermin, in dem alle Seiten zu Wort kommen“, erklärt Rudolph. Und wenn zunächst sich nicht alle Beteiligten auf eine Lösung für die Kinder einigen können, gehe das Verfahren in einer Schlichtung weiter – bis sich alle Familienmitglieder auf eine Lösung geeinigt haben. „Dann ersetzt die Entscheidung der Eltern die des Gerichts“, so Rudolph.</p>
<p>In einigen deutschen Städten, wie Augsburg, laufen Scheidungen bereits erfolgreich nach der Cochemer Praxis ab. Hier sind alle Beteiligten: Richter, Anwälte, Jugendämter, Sacherständige, Beratungsstellen und Verfahrensbeistände sind informiert, und wissen wie wichtig ein schnelles Ende aller Streitigkeiten für die Kinder ist. Doch Annes Richter und Entscheider beim Jugendamt hatten weder von Eltern-Kind-Entfremdung, noch von der Cochemer Praxis gehört. Bis sie selbst auf das Phänomen PAS aufmerksam wurde, waren ihr die Kinder längst fremd.</p>
<p>Bei Anne kam bald eine kleine Wendung: Kurz vor ihrem 16. Geburtstag floh Annes Tochter von ihrem Vater und stand vor Annes Haustüre. Anne hatte ihre Tochter vier Jahre nicht mehr gesehen, doch sie wusste: „Ich muss funktionieren, wenn meine Kinder vor der Türe stehen. Dann musste ich für sie da sein.“ Annes Tochter zog bei ihrer Mutter ein, blieb und erzählte wie sie und ihr Bruder von ihrem Vater gegen Anne aufgehetzt wurden. „Meine Tochter hatte ein sehr schlechtes Gewissen nach den vielen hasserfüllten Jahren.“ Anne selbst versuchte die Scheidung nicht auf die Kinder abzuwälzen: „Das war eine Sache zwischen meinem Ex-Partner und mir und hätte nie auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden dürfen“, sagt sie.</p>
<p>Laut statistischem Bundesamt wird in Deutschland inzwischen jede zweite Ehe geschieden. Die Themen Scheidung und Eltern-Kind-Entfremdung betreffen längst nicht mehr eine Randgruppe. Das hat auch die bayerische Politik bemerkt &#8211; und will Kinder aus Trennungsfamilien besser schützen. Im Mai gab es einen Beschluss der Kinderkommission im Bayerischen Landtag zum Thema Eltern-Kind-Entfremdung. Darin empfiehlt die Kommission einstimmig eine Qualifizierungsoffensive für alle an Scheidungsverfahren beteiligten Berufsgruppen, wie Richter, Mitarbeiter von Jugendämtern, Anwälten und Gutachtern. „Besonders Juristen, die kaum psychologisch auf solche Probleme geschult sind, müssen für solche Probleme besser Ausgebildet werden“, fordert die Vorsitzende der Kinderkommission Dr. Simone Strohmayr, SPD.</p>
<p>Strohmayr fordert seit längerem eine verbindliche Fortbildungspflicht für Familienrichter und -Anwälte im psychologischen Bereich. Zwar gebe es freiwillige Fortbildungsangebote für Juristen, aber eine verpflichtende Regelung müsse her. Eine Forderung, die die andere Parteien für nicht durchsetzbar halten: „Immer wieder werden verfassungsrechtliche Bedenken laut, weil der Richterberuf laut Verfassung in seiner Entscheidung frei ist. Aber es muss hier möglich sein, weil es um das Wohl der Kinder geht“, sagt Strohmayr.</p>
<p>Mit dem Beschluss der Kinderkommission ist Strohmayr ihrem Ziel zumindest ein Stück näher gekommen: „Nun müssen wir politisch erreichen, dass das Scheidungsverfahren mehr am Kind ausgerichtet wird“, sagt Strohmayr. Zu oft müsse sie von Lehrern und Eltern aus ihrem Wahlkreis hören, dass Kinder unter Scheidungen leiden – und nicht wissen, zu welchem Elternteil sie halten sollen.</p>
<p lang="de-DE">Annes Sohn ist inzwischen erwachsen. Zu ihm hat sie bis heute keinen Kontakt aufbauen dürfen. „Meine größte Angst war, dass ich meinen Sohn eines Tages auf der Straße sehe und ihn nicht mehr erkenne“, sagt Anne. Ihre Angst war unbegründet: Vor einem Jahr sah Anne sah ihren Sohn zufällig auf der Straße und sprach ihn an. „Er hat gesagt, dass ich eine gute Mutter war, er aber keinen Kontakt zu mir aufnehmen kann – ohne irgendeine Begründung.“ Auf ihrem täglichen weg zur Arbeit, lassen Anne die Gedanken noch immer nicht los: „Wenn ich im Auto sitze, sehe ich immer aus dem Fenster, denke an meinen Sohn und daran, dass er hier jederzeit über die Straße laufen könnte.“</p>
<p lang="de-DE">Foto: Fotomania, Pixelio.de</p>
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		<title>Triathlon-TV-Bericht für RTL tv bayern live</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Jul 2011 21:47:17 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Anbei ein Video, dass ich als VJ für das RTL-Regionalfenster am Sonntag, den 26. Juni gedreht habe. Es lief in der Sendung TV-Bayern live&#8230; Hier der Link zur Sendung.]]></description>
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<p>Anbei ein Video, dass ich als VJ für das RTL-Regionalfenster am Sonntag, den 26. Juni gedreht habe. Es lief in der Sendung TV-Bayern live&#8230; Hier der Link zur <a href="http://www.tvbayern.tv/tv-bayern-live/sport-in-bayern/rothsee-triathlon.html" target="_blank">Sendung.</a></p>
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		<title>Europas American-Football-Verband: Mit offenem Visier</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Apr 2011 10:18:31 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nach wochenlanger Recherche zum Thema American Football in Europa, zahlreichen zugespielten internen Dokumenten und Telefonaten mit Funktionären in halb Europa haben meine Kollegin Anja Perkuhn und ich einen Text über die Situation im Europäischen Verband für American Football (EFAF) und den Präsidenten Robert Huber geschrieben. Der Text ist ende März im Sportteil der Süddeutschen Zeitung [...]]]></description>
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<div><img class="alignleft size-full wp-image-1086" style="border: 1px solid black;" title="football" src="http://felixscheidl.de/wp-content/uploads/football.jpg" alt="" width="160" height="130" />Nach wochenlanger Recherche zum Thema American Football in Europa, zahlreichen zugespielten internen Dokumenten und Telefonaten mit Funktionären in halb Europa haben meine Kollegin Anja Perkuhn und ich einen Text über die Situation im Europäischen Verband für American Football (EFAF) und den Präsidenten Robert Huber geschrieben. Der Text ist ende März im Sportteil der Süddeutschen Zeitung erschienen.</p>
<h3><strong>Mit Offenem Visier</strong></h3>
<div><strong>Gefälschte Unterschriften, eingeschüchterte Konkurrenten: In  Europas Football-Verband tobt eine Schlammschlacht um den umstrittenen  Präsidenten Robert Huber.</strong></div>
<div><strong><br />
</strong></div>
<div>Von Anja Perkuhn und Felix Scheidl</div>
<div></div>
<div>Das ungarische Parlament in Budapest ist ein prächtiges  Gebäude, fast protzig liegt es am Ufer der Donau&#8230;. Die ganze Geschichte gibt es <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/europas-american-football-verband-mit-offenem-visier-1.1077123" target="_blank">hier.</a> // Foto: <a href="http://www.pixelio.de" target="_blank">Pixelio</a>, imageworld24</div>
</div>
</div>
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		<title>Des Diktators goldene Uhr</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Mar 2011 16:28:36 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In Bayern gibt es nicht nur Gaddafi-Kritiker – Der Deutsch-Libysche Arbeitskreis verehrt den Staatschef nach wie vor&#8230; In dem Apartment von Gert Gartz in Oberhaching hängt in einem kleinen Holzrahmen ein Bild von Muammar al-Gaddafi. Von einem seiner libyschen Gäste erhielt Gartz eine goldene Uhr, die den Langzeitpräsidenten des Wüstenstaats auf dem Ziffernblatt zeigt. „Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In Bayern gibt es nicht nur Gaddafi-Kritiker – Der Deutsch-Libysche Arbeitskreis verehrt den Staatschef nach wie vor&#8230;</strong></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1078" title="bsz" src="http://felixscheidl.de/wp-content/uploads/bsz.png" alt="" width="476" height="210" />In dem Apartment von Gert Gartz in Oberhaching hängt in einem kleinen Holzrahmen ein Bild von Muammar al-Gaddafi. Von einem seiner libyschen Gäste erhielt Gartz eine goldene Uhr, die den Langzeitpräsidenten des Wüstenstaats auf dem Ziffernblatt zeigt. „Die Uhr habe ich immer mit Stolz getragen“, erzählt er. <a href="http://www.bayerische-staatszeitung.de/index.php?id=63&amp;tx_ttnews[tt_news]=1985&amp;cHash=1bb1184e5e1388f33f18115d5ae405ee" target="_blank">Weiterlesen</a>&#8230;</p>
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		<title>Das Integrationsprodukt &#8211; Vertretungsstunde mit Rick Kavanian</title>
		<link>http://felixscheidl.de/2010/12/das-integrationsprodukt-vertretungsstunde-mit-rick-kavanian/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 Dec 2010 15:28:57 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Heute mal kein Text, sondern ein Gesamtprodukt: Für den SPIESSER und SPIEGELonline habe ich als betreuender Redakteur eine Unterrichtsstunde mit Comedian Rick Kavanian vor Ort organisiert und die Seite anschließend mit Hilfe der Autorin Cristina Kufer, der Fotografin Eva Merz und dem Filmer Juri Lotz umgesetzt. Danke für die gute Zusammenarbeit. Hier gibts das fertige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1061" title="Rick_VS" src="http://felixscheidl.de/wp-content/uploads/Rick_VS2.jpg" alt="" width="490" height="345" />Heute mal kein Text, sondern ein Gesamtprodukt: Für den SPIESSER und SPIEGELonline habe ich als betreuender Redakteur eine Unterrichtsstunde mit Comedian Rick Kavanian vor Ort organisiert und die Seite anschließend mit Hilfe der Autorin Cristina Kufer, der Fotografin <a href="http://evamerz.com" target="_blank">Eva Merz</a> und dem Filmer Juri Lotz umgesetzt. Danke für die gute Zusammenarbeit. Hier gibts das fertige Produkt:</p>
<div><strong>Alles Multikulti? Comedian und Schauspieler Rick Kavanian diskutiert mit  der 10. Klasse des Luitpold-Gymnasiums in München über gelungene  Integration.</strong></div>
<p><em>12.25 Uhr: Auf dem Flur trifft Rick Kavanian seinen alten  Sportlehrer und geht grinsend ins Klassenzimmer. Als die Schüler kommen,  kehrt Rick mit einem Besen den Boden – sehr komisch. Dann gehts aber  los. Alina beginnt die Stunde mit einem Referat über Kultur in New York. </em></p>
<p><strong>Alina </strong>In New York leben 44 Prozent Weiße, 27 Prozent Hispanics, 25 Prozent Schwarze, 11 Prozent Asiaten…</p>
<p><em>Den ganzen Text lesen und Video ansehen auf <a href="http://www.spiesser.de/artikel/vertretungsstunde-mit-rick-kavanian-das-integrationsprodukt" target="_blank">SPIESSER.de</a><br />
Den ganzen Text lesen und Bildstrecke ansehen auf <a href="http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,730673,00.html" target="_blank">SPIEGELonline</a></em></p>
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		<title>„&#8230;manche gammeln beim Zivi. Gibts auch beim Bund – kein Thema!“</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 2010 13:28:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Geschrieben wie gesprochen: Diesmal sprechen Jonas, 20, und Benedikt, 21, über Herausforderungen bei Bund und Zivi. Unbeeindruckt von der Diskussion um deren Abschaffung. Denn da ist längst noch nichts beschlossen* und so lang wird eingezogen.Aufgezeichnet in einem Café in München. Erschienen in: SPIESSER Von Felix scheidl, Fotos: Eva Merz [...] Benedikt &#8230;ist wahrscheinlich gar nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Geschrieben wie gesprochen: Diesmal sprechen Jonas, 20, und Benedikt, 21, über Herausforderungen bei Bund und Zivi. Unbeeindruckt von der Diskussion um deren Abschaffung. Denn da ist längst noch nichts beschlossen* und so lang wird eingezogen.Aufgezeichnet in einem Café in München. </strong><em>Erschienen in: </em><a href="http://www.spiesser.de" target="_blank"><em>SPIESSER</em></a><strong><a href="http://www.spiesser.de" target="_blank"><br />
</a><img class="alignleft size-full wp-image-1018" title="KONTROVERSE_Bund_vs_Zivi___1" src="http://felixscheidl.de/wp-content/uploads/KONTROVERSE_Bund_vs_Zivi___1.jpg" alt="" width="468" height="312" /></strong>Von Felix scheidl, Fotos: Eva Merz<span id="more-1016"></span></p>
<p>[...]<br />
<strong>Benedikt</strong> &#8230;ist wahrscheinlich gar nicht so einfach mit den Krebspatienten umzugehen, oder?<br />
<strong>Jonas</strong> Ich hab es mir anfangs eigentlich&#8230; also&#8230; wir konnten uns das nicht aussuchen, auf welche Station wir kommen&#8230; und man gewöhnt sich in gewisser Weise dran. […] Man hat halt den Auftrag, Patient so und so muss man jetzt zur Bestrahlung bringen und dann macht man das.<br />
<strong>Benedikt </strong>Okay.<br />
<strong>Jonas</strong> […] Für die Zeit vom Zivildienst fi nde ich es unglaublich spannend, so was mal mitzuerleben, sonst kommt man mit dem Thema ja eigentlich kaum in Berührung. Wie bist du&#8230; oder: Warum hast du dich für die Bundeswehr entschieden?<br />
<strong>Benedikt</strong> Ich war natürlich bei der Musterung und hab mir da natürlich schon paar Gedanken gemacht: Was möchte ich machen. [...] Das Ausschlaggebende bei mir war, dass ich persönlich einfach ein Mensch bin, der eine gewisse Struktur am Tag braucht und der eine gewisse Hierarchie braucht, bestimmte Abläufe&#8230; und auch eine besondere Herausforderung. Also ich mag es nicht irgendwie&#8230; manche gammeln beim Zivildienst nur ab. Gibts auch beim Bund – gar kein Thema!<br />
<strong>Jonas </strong>Ja.<br />
<strong>Benedikt</strong> Aber ich kenn es halt bei vielen aus meinem Freundeskreis: Die hatten dann Aufgaben, wo ich mir denke: „Was hat dich daran persönlich weitergebracht?“ [...]<br />
<strong>Jonas</strong> Das finde ich jetzt relativ interessant&#8230; Ich bin auch ein strukturliebender Mensch und mag es, wenn ein Tag relativ geregelt abläuft und ich wollte in der Zeit auch neue Erfahrungen machen, aber ich habe mich gerade deswegen für den Zivildienst entschieden. [...] Ich hab gespürt,&#8230; beim Bund, da ist man mehr eingeschränkt, weil die Persönlichkeitseinschränkungen um einiges größer waren, als jetzt beim Zivildienst.<br />
<strong>Benedikt</strong> Sicherlich ist es so, auf jeden Fall in den ersten drei Monaten&#8230; man muss sich schon ziemlich umstellen. Also besonders die Grundausbildung in den ersten drei Monaten ist schon ziemlich hart. [...]<br />
<strong>Jonas </strong>Also das&#8230; dieses auf der Stube hab ich mir persönlich immer eher so einengend vorgestellt, dass man dann aufeinander sitzt und nicht so recht die Zeit rumbringt.<br />
<strong>Benedikt</strong> Mmhh, naja&#8230; in der Grundausbildung wars tatsächlich so, dass man ’ne ganz enge Gemeinschaft war, also es war wirklich&#8230; man kannte sich sehr gut, man hat sich natürlich zwischendrinnen auch unterhalten, über alles.<br />
<strong>Jonas </strong>Okay. […]<br />
<strong>Benedikt </strong>Und auf der anderen Seite ist es ja so mit dieser Wehrgerechtigkeit&#8230; wenn man keine Lust hat, irgendwas zu machen, bin ich der Meinung, schafft man es auch, ausgemustert zu werden. Dafür gibts genug Möglichkeiten, sich ärztliche Atteste zu besorgen, oder so. Aber ich finde das vom moralischen Standpunkt aus nicht richtig. […] Im Grundgesetz steht, dass jeder Deutsche zum Dienst an der Waffe einberufen werden kann und wenn er diesen Dienst nicht machen möchte, dass er dann ’nen zivilen Ersatzdienst machen kann. So wie du das tust. Is‘ auch in Ordnung so. Aber ich finde nicht, dass sich jemand darum drücken sollte.<br />
<strong>Jonas </strong>Absolut, das finde ich schön, dass du das genauso siehst. (beide lachen) &#8230; Da war ich dann schon bisschen enttäuscht, wie ich gesehen habe, wie ein paar meiner Kumpels das gemacht haben.</p>
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		<title>Lichtblicke &#8211; Finanzspezial des SPIESSER</title>
		<link>http://felixscheidl.de/2010/10/lichtblicke-finanzspezial-des-spiesser/</link>
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		<pubDate>Mon, 04 Oct 2010 15:40:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[SPIESSER-Autor Felix reiste in die Finanzmetropole Frankfurt zum Wirtschaftsjournalisten Harald Freiberger. Der ist Geldexperte und wenns ums Geld geht, weiß er, wovon er redet. Und unser Autor hat gelernt, dass selbst Finanzexperten aus Finanzkrisen lernen müssen. (Foto: Eva Merz) Zwischen dem Commerzbanktower, der sich 300 Meter in den Frankfurter Himmel schraubt und der Wertpapierbörse, arbeitet Harald [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-980" title="SPIESSER_finanzkrise" src="http://felixscheidl.de/wp-content/uploads/SPIESSER_finanzkrise.bmp" alt="Felix Scheidl unter einer Laterne bei Nacht" width="180" height="*" align="left" /></p>
<p><strong><a href="http://spiesser.de" target="_blank">SPIESSER</a></strong><strong>-Autor Felix reiste in die Finanzmetropole Frankfurt zum  Wirtschaftsj</strong><strong>ournalisten Harald Freiberger. Der ist Geldexperte und wenns  ums Geld geht, weiß er, wovon er redet. Und unser Autor hat gelernt, dass  selbst Finanzexperten aus Finanzkrisen lernen müssen. </strong>(<a href="http://evamerz.com" target="_blank"><small>Foto: Eva Merz</small></a><small>)</small></p>
<p>Zwischen dem Commerzbanktower, der sich 300 Meter in den Frankfurter Himmel schraubt und der Wertpapierbörse, arbeitet Harald Freiberger, Wirtschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung. Neben einem Regal<span id="more-978"></span>, gefüllt mit Wirtschaftsbüchern, steht ein PC und ein weinrotes Rennrad in Freibergers Büro. Freiberger selbst, weißes langärmliges Hemd, unauffällige Brille und lange braun-graue Haare, telefoniert mit einem Informanten. Ein Banker, der seinen Namen im Artikel nicht nennen will. Banker mit Rekordlöhnen und krisensicherem Job sind eben nicht sonderlich beliebt in Zeiten der Finanzkrise.</p>
<p>Ob Freibergers Job auch so sicher ist? Darüber hatte er in den letzten Jahren manchmal Zweifel: „Wirtschaftskrise – das ist wenn viele Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Weil es den Unternehmen für die sie arbeiten schlecht geht. Auch die Süddeutsche Zeitung hat Mitarbeiter entlassen“, erzählt er.</p>
<p><strong>Geplatzte Träume</strong></p>
<p>Wenn man in Freibergers Artikel in der Zeitung liest, dann taucht ein Wort auf, dass er auch im Gespräch immer wieder fällt: „Blase“. In Amerika entwickelte sich die Krise aus einer Immobilienblase. „Die Bank lieh jedem Bürger Geld, der sich ein Haus zu bauen wollte. Sie hat den Menschen ihr gesamtes Haus bezahlt, ohne dass diese das Geld jemals zurückzahlen werden würden. Sie hatten oft nicht einmal einen Job“, erzählt Freiberger.</p>
<p>Die Banken pokerten. Spieleinsatz waren die Häuser der Kreditnehmer. Die Hauspreise entwickelten sich gut in den USA. Innerhalb weniger Jahre, waren Häuser plötzlich das doppelte Wert: Die Hauspreise blähten sich wie eine Blase auf. „Für die Bank war das ein gutes Geschäft: Weil sie das Haus bezahlt hatte, gehörte es ihr“, erzählt Freiberger.</p>
<p>Damit die Banken den Bauherren überhaupt einen Kredit gewähren konnten, liehen sie sich das Geld selbst erst einmal: unter anderem bei Bürgern und Banken in Deutschland. Die Deutschen kauften also Anteile an den Immobilien in den USA – weil sie auf Wertsteigerungen der Häuser hofften. Einen Teil der Immobilienpapiere behielten die amerikanischen Banken selbst, denn auch Banker und Banken wollen gut verdienen. Banken und Kunden, die die Papiere zum richtigen Zeitpunkt kauften und verkauften, machten Millionengewinne.</p>
<p>Es war ein Glücksspiel: Als 2007 plötzlich viele Eigentümer ihre Häuser in den USA zu hohen Preisen verkaufen wollten, war niemand mehr bereit die Summen zu bezahlen. Die Häuser waren viel weniger wert, als sie die Banken in ihren Bilanzen vermerkt hatten. „Die Hausbesitzer bemerkten den Wertverfall zogen aus und schickten den Schlüssel an die Bank. Der gehörte das Haus ja noch, weil der Kreditnehmer seinen Kredit noch nicht bezahlt hatte – auch wenn das Haus inzwischen eigentlich fast wertlos war“, erklärt Freiberger. Hinter den hochgepriesenen Immobilienpapieren standen nun wertlose Häuser. Banken und Kunden, die die Papiere im großen Stil gekauft hatten, waren pleite.</p>
<p>Kein Kunde wusste wirklich, welches Haus eigentlich hinter seiner Investition stand. Oft kauften Kunden Anteile an Bruchbuden, für die sie nach einer Besichtigung nicht einen Cent bezahlt hätten. Sie vertrauten Bankern und Politkern, die alle lächelnd eine sichere Anlage und hohe Renditen versprachen. Die Banken wussten zwar oft, welch einen Schrott sie als Papiere verkauften – vertrauten aber weiter auf einen Hype und hohe Preise. Denn sie vertrauten darauf im Fall einer Pleite von der Politik gerettet zu werden.</p>
<p>Neben der Amerikanischen Bank Lehmann Brothers stand auch die deutsche Bank Hypo Real-Estate, vor der Pleite. Sie hatten zu viel Geld in die Amerikanischen Schrottpapiere gesteckt, die nun wertlos waren.</p>
<p>„Bankenpleite: Im Schlimmsten Fall bedeutet das, dass kein Geldautomat mehr Scheine spuckt, weil die Bank keines mehr hat“, sagt Freiberger. Die Ersparnisse von tausenden wären somit verloren. Der internationale Währungsfond hat letztes Jahr die Gesamtverluste der Finanzkrise geschätzt: 3093 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Bundesregierung gibt für ihren Haushalt 2010 320 Milliarden Euro aus. Vom Geld, das in der Finanzkrise verschwunden ist, hätte Deutschland mehrere Jahre haushalten können.</p>
<p>Vieles Weitere ist Psychologie: „Wenn ich Geld verloren habe, kaufe ich mir kein neues Auto, dann geht es den Autoherstellern schlechter. Die Müssen wiederum Leute entlassen, weil keine Autos mehr gekauft werden“, sagt Freiberger. Eigentlich ist es die Aufgabe von Journalisten, anschauliche Vergleiche für Werte, wie die 500 Milliarden, zu suchen. „Bei solchen Zahlen ist das nicht mehr möglich“, sagt Freiberger.</p>
<p><strong>Aufgeblasen: Von Tulpen und dem Internet</strong></p>
<p>Blasen sind übrigens nichts Neues: Im 17. Jahrhundert stieg der Wert von Tulpenzwiebeln innerhalb weniger Jahre um das fünfzigfache. Ein Zimmermann hätte damals 40 Jahre arbeiten müssen, bis er sich eine solche Zwiebel leisten konnte. Bald platzte die Blase und jeder, der sich für Unsummen eine Tulpe zugelegt hatte, hatte sein gesamtes Vermögen verloren.</p>
<p>Dass Blasen platzen musste Harald Freiberger im Jahr 2001 feststellen. „Es gab täglich neue Internetunternehmen, die Aktien ausgaben, deren Werte sich innerhalb weniger Tage verdoppelte“, erzählt Freiberger. Auf den Tipp eines Freundes schlug Freiberger zu. Als man bemerkte, dass die Unternehmen auf den Wertpapier weit mehr wert waren, als in Wirklichkeit, platzte die Internet-Blase. Und auch Freibergers Aktien waren wertlos.</p>
<p>Seitdem investiert Freiberger nur noch in sichere Anlagen. Dass der Redakteur kein Zocker mehr ist, bemerkt man: Nachdem ihm innerhalb von zwei Jahren drei Fahrräder geklaut wurden, steht sein weinrotes Rennrad in seinem Büro neben dem Schreibtisch. Sicherlich kein günstiges Fahrrad. Wäre ja schade, wenn der Traum vom Neuen Fahrrad schon wieder platzt.</p>
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		<item>
		<title>Sicher ist sicher</title>
		<link>http://felixscheidl.de/2010/09/sicher-ist-sicher/</link>
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		<pubDate>Sun, 26 Sep 2010 17:43:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Absolut Karriere]]></category>
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		<description><![CDATA[Jan ist Junior-Underwriter und verkauft damit ein knappes und begehrtes Gut: Sicherheit. VON FELIX SCHEIDL in Absolut Karriere „Beteiligung an Katastrophenschäden“ steht auf Englisch auf dem Kopf des Formulars. Im Vertrag geht es um Immobilienschäden, beispielsweise nach einem Hurrikan. Unter der Unterschrift ist die Summe zu lesen, für die die Rückversicherung im Schadensfall aufkommen muss: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Jan ist Junior-Underwriter und verkauft damit ein knappes und begehrtes Gut: Sicherheit.</strong></p>
<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-967" title="Foto by Marcus Lechner" src="http://felixscheidl.de/wp-content/uploads/lechner1.jpg" alt="" width="470" height="*" /><br />
</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>VON FELIX SCHEIDL in <a href="http://www.absolut-karriere.de/" target="_blank">Absolut Karriere</a><br />
</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>„Beteiligung an Katastrophenschäden“ steht auf Englisch auf dem Kopf des  Formulars. Im Vertrag geht es um Immobilienschäden, beispielsweise nach  einem Hurrikan. Unter der Unterschrift ist die Summe zu lesen, für die  die Rückversicherung im Schadensfall aufkommen muss: 30 Millionen  US-Dollar.</p>
<p><span id="more-966"></span></p>
<p>Jan hat als Julior-Underwriter noch keine Unterschriftvollmacht für solche Verträge. Er erarbeitet die Verträge im Team – unterschrieben werden sie noch von seinem Vorgesetzten. Gezahlt wird nur, wenn bei dem vorliegenden Versicherungsgeschäft ein Schaden entsteht –  Munich Re, Jans Arbeitgeber, haftet für Versicherungsschäden in dieser Höhe.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Jan ist 24. Wenn er spricht, dann bedacht – er begründet und argumentiert. Ein schwarzer Anzug, der perfekt sitzt, ein blaugraues Hemd, dazu eine lila Krawatte: würden seine rotblonden Haare und die jungen Gesichtszüge nicht sein Alter verraten, könnte man ihn auch für den Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens halten.<!--more--></p>
<p><strong>Sicherheit kaufen</strong></p>
<p>Wenn man mit Jan über seine Arbeit spricht, vergleicht er die versicherten Immobilien gerne mit Fahrrädern: „Wenn Sie befürchten, dass ihr Fahrrad gestohlen wird, dann können sie sich Sicherheit in Form eines Vertrages bei einem Versicherer kaufen“, erklärt der Junior-Underwriter. Wird das Fahrrad gestohlen oder beschädigt der Hurrikan ein Haus, muss der Kunde den Schaden nicht alleine schultern: Die Versicherung zahlt!</p>
<p>Versichern kann man eigentlich fast alles – es muss dabei nur zwei Parteien geben: Eine, die das Risiko auf sich nimmt und einen eventuellen Schaden bezahlt, und eine, die risikoscheu ist und sich gegen den Schaden versichern will.</p>
<p>So gehen nicht mehr nur Haus- und Fahrradbesitzer zum Versicherer: Auch Versicherungen für Haustiere, Sonnenscheingarantie im Urlaub oder Körperteile liegen im Trend: Sängerin Jennifer Lopez soll ihren Hintern für mehrere hundert Millionen Dollar versichert haben.</p>
<p><strong>Ausgleich durch Masse: Underwriting in der Superversicherung</strong></p>
<p>Das Prinzip hinter dem Risikoappetit der Superversicherung ist einfach: Je mehr Objekte auf der ganzen Welt verteilt versichert werden, desto unwahrscheinlicher ist es, dass alle Objekte auf einmal einen Schaden erleiden. „Wir nehmen diese Risiken auf uns, weil wir den Ausgleich schaffen können: Dass alle Häuser weltweit auf einmal zusammenbrechen und dazu noch alle Fahrräder gestohlen werden, ist statistisch gesehen sehr unwahrscheinlich“, sagt Jan.</p>
<p>Macht man sich auf die Suche nach der Herkunft von Versicherungsunternehmen, so landet man im London des 17. Jahrhunderts. In jenem London, in dem auch viele der Versicherungen sitzen, die Jan für seinen Arbeitgeber rückversichert.</p>
<p>Besitzer von Handelsschiffen hatten dort Angst, im Fall eines Schiffsbruches oder Piratenüberfalles vor dem Ruin zu stehen. Also kooperierten sie mit Konkurrenten und Geschäftsmännern: Sie versicherten sich mit einer Unterschrift, im Schadensfall gemeinsam für einen entstandenen Schaden einzustehen. Für die Übernahme des Risikos wurden alle am Gewinn des Handels beteiligt – und das Underwriting war geboren. Noch immer sitzen in London viele der Versicherungen, die Jan für seinen Arbeitgeber rückversichert.</p>
<p><strong>Mit Sicherheit: ein Bürojob</strong></p>
<p>Szenenwechsel: Säulen umschließen den Empfang des Hauptgebäudes von Munich Re. Im Haus läuft man an historischen Marmorsälen vorbei, dann durch moderne, beleuchtete Gänge, die eher an einen Science-Fiction-Film erinnern. Über die Decke von Jans Büros zieht sich Stuck, drei Meter darunter stehen Schreibtische, vier Flachbildschirme samt Rechnern und Kaffeetassen. Es könnte auch das Arbeitszimmer eines Sekretärs sein: Hier telefonieren Jan und seine Kollegin mit Kollegen anderer Fachrichtungen, Beispielswseise Geowissenschaftler oder Juristen, und Kunden<ins datetime="2010-05-18T18:05" cite="mailto:Seifert%20Verena">.</ins>. Sie schreiben E-Mails oder treffen sich mit den Kollegen im Konferenzraum.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Dass es hier täglich um Millionen geht, verraten nur die Inhalte einiger Papierstapel auf dem Schreibtisch: „Sammlung über Risiken von Stürmen in Europa“ steht auf einem. Daneben reihen sich weitere Gutachten, Verträge und geologische Landkarten, aus denen hurrikan- oder erdbebengefährdete Gebiete in bunten Farben hervorstechen. Vor einer Landkarte, einem Globus und einem zimmerhohen Modell, in dem ein aus Nebel erzeugter Hurrikan kreist, erklärt er, wie ein Wirbelsturm über dem Atlantik entsteht und anschließend auf die Küste Mittelamerikas treffen kann.</p>
<p>Jan hat oft von Hurrikans in Gutachten und Büchern gelesen. Doch als Wirtschaftswissenschaftler selbst einzuschätzen, wie gefährlich dieser wirklich ist und welche Schäden er verursachen kann – darüber will und kann er nicht alleine urteilen. Die Verträge mit den Versicherungsgesellschaften werden im Team erarbeitet: Dazu gehören in seinem Fall Geologen, Mathematiker und Juristen. Geologen basteln beispielsweise an Computersimulationen: „Das sind Modelle, die die Entwicklung von Hurrikans in der Geschichte berücksichtigen. In Computerprogrammen laufen dann typische Hurrikane tausende Male über die Weltkarte“, sagt er. Nach diesen Modellen berechnen Versicherungsmathematiker die Schadenswahrscheinlichkeiten.</p>
<p>Damit hat die Superversicherung einen Wissensvorteil gegenüber Versicherungsgesellschaften: Jans Abteilung kann die Schadenswahrscheinlichkeit sehr genau abschätzen und damit den Kunden das Risiko für einen angemessenen Preis abnehmen.</p>
<p><strong>Harte Lehrzeit: Studium und Ausbildung</strong></p>
<p>Bis zum Underwriter ist es ein langer Weg (siehe Infokasten).  Meist führt er über ein Studium und ein Traineeprogramm im Unternehmen. Munich Re, Jans Arbeitgeber, bietet den Ausbildungsweg auch im Rahmen einer klassischen Berufsausbildung oder alsausbildungsintegriertes Studium, das mit einem Master der Universität der Bundeswehr in München abschließt.</p>
<p>Für Jan war der Weg vor Allem eines: ungeplant. Denn bis zu seinem Abitur wusste er nicht einmal, was ein Underwriter überhaupt ist: „Ich wollte Jura oder Wirtschaft studieren, etwas handfestes. In einem Abitur-Magazin habe ich das berufsbegleitende Studium von Munich Re entdeckt. Das Versicherungsgeschäft fand ich spannend. Den Beruf des Underwriters lernte ich erst während des Studiums kennen“, sagt  er.</p>
<p>Viereinhalb Jahre wechselte er zwischen dem Studium der Wirtschaftswissenschaften und seinem Ausbildungsbetrieb Munich Re. Hausaufgaben und lernen: dafür blieb zeitweise nur noch das Wochenende. „In einem Vollzeit-Studium neben der Arbeit bei Munich Re kam ich schon einmal an meine Grenzen. Vor allem weil ich gute Noten wollte. Ich war nicht nur mir rechenschaftspflichtig – sondern auch dem Unternehmen“, sagt Jan.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Wissenschaft, Wirtschaft und ein solides Gehalt<br />
</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Nach Mathe und Deutsch in der Schule standen nun Statistik, Mikroökonomie und Buchhaltung auf Jans Stundenplan. Er erlernte wirtschaftliche Grundlagen und die Funktion von Versicherungs- und Finanzmärkten: „Beim Lernen hat man Momente, in denen man merkt, was einem wahre Sicherheit, den wahren Rückhalt, im Leben bietet: Mein Umfeld, meine Freunde in der Freizeit geben mir Halt.“, sagt er.</p>
<p>Bevor Jan in das duale Studium starten konnte, prüfte ihn sein zukünftiger Arbeitgeber. Analytisches Denken, Mathematik und sprachlicher Ausdruck: Diese Fähigkeiten musste Jan in mündlichen und schriftlichen Tests demonstrieren.</p>
<p>Die Kernaufgaben des Underwriters liegt im kaufmännischen und juristischen Bereich: „Es geht um Zahlen und Vertragsklauseln.“ So erklärt er die Anforderungen an seinen Job. Darüber hinaus seien viele Fähigkeiten wichtig: Gute Sprachkenntnisse und soziale Kompetenzen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Neben dem kaufmännischen Berufsbild war für Jan auch das zukünftige Gehalt interessant. Das Einstiegsgehalt eines Junior-Underwriters liegt bei 45.000 Euro – und damit im oberen Bereich der Einstiegsgehälter nach einem Universitätsabschluss. „Mir war ein geregeltes und sicheres Einkommen immer wichtig, aber ich warne davor, sich nur wegen guter finanzieller Aussichten in den Job zu stürzen“, sagt er.</p>
<p>Jan ist auch privat versichert, hat eine Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Dann stockt er ein wenig, und denkt nach. Es scheint ein wenig ungewohnt für ihn, neben Finanzen und Risiken auch über Privates zu sprechen: „Aber im wahren Leben gibt es keine volle Sicherheit. Es wirbelt einen auf und ab“, sagt er. So ist das Leben manchmal wie ein kleiner Hurrikan; einer jener Wirbelstürme, wie er in Jans umfangreichen Verträgen steht. Doch dann ziehen sich seine Mundwinkel zu einem leichten Lächeln nach oben und er sagt: „Aber mit kompletter Sicherheit wäre das Leben doch langweilig.“</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Infokasten 1:</span></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Jobprofil Underwriter: Alles über den Beruf </strong><strong> </strong></p>
<p>Underwriter arbeiten zusammen und anderen Experten Verträge aus, mit denen Unternehmen oder Privatpersonen gegen bestimmte Risiken versichert werden. Dabei kann es um Hurrikanschäden, die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika  oder Großbauprojekte gehen.</p>
<p>In der Regel spricht man aber nur in Rückversicherungen von der Berufsbezeichnung: Underwriter. Hier kümmern sie sich nicht um Privatkunden, sondern versichern Versicherungsgesellschaften, damit diese, beispielsweise bei Naturkatastrophen, den Schaden aller Versicherten nicht alleine schultern müssen.</p>
<p>Dafür müssen Underwriter den Markt, den sie versichern, beispielsweise den Kfz- oder Immobilienmarkt, genau kennen. Auch ist es wichtig, die Wahrscheinlichkeit einzuschätzen, dass auf dem versicherten Markt ein Schaden entsteht. Underwriter treffen sich mit Kunden, meist Vertreter einer Versicherung, und arbeiten für sie Rückversicherungsverträge aus. Ziel ist es, dem Kunden das Risiko eines Schadens für einen angemessenen Preis abzunehmen.</p>
<h4>Das Aufgabenfeld des Underwriters ist äußerst vielseitig und stützt sich auf vier Säulen: Versicherungstechnische Analytik zum Einschätzen der Risiken, juristische Einschätzung zum Erstellen der Verträge , betriebswirtschaftliche  Kenntnisse und Versicherungsmathematik zur Preisfindung für die Risiken.</h4>
<p>Das Einstiegsgehalt liegt bei etwa 45.000 Euro.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Infokasten 2:</span></strong></p>
<p><strong>Dein Weg in die Versicherungsbranche: So kannst auch Du Underwriter werden</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Eine geregelte Ausbildung oder ein vorgeschriebenes Studium zum Underwriter gibt es nicht. Die Rückversicherungsgesellschaften bilden ihre Underwriter zum größten Teil selbst aus.</p>
<p>Viele Underwriter starten nach dem Abitur mit einem wirtschaftswissenschaftlichen, mathematischen  oder juristischen Studium. Anschließend absolvieren sie bei den Versicherungsgesellschaften ein Trainee-Programm, das sie zum Underwriting führt.</p>
<p>Munich Re bildet in einem ausbildungsintegrierten Studium oder in der klassischen Berufsausbildung („Kaufmann-/frau für Versicherungen und Finanzen“ mit dem Schwerpunkt Rückversicherung) Underwriter aus. Die Gesamtdauer des dualen Studiums beträgt 4,5 Jahre. Dabei starten die Abiturienten gleichzeitig mit der IHK-Berufsausbildung und dem Studium der Wirtschafts- und Organisationswissenschaften, das sie mit dem Master abschließen</p>
<p>Für einen Job im Underwriting kann man sich direkt bei den Rückversicherern bewerben: Entweder für das duale bzw. ausbildungsintegrierte Studium oder die Ausbildung nach dem Abitur. Ein weiterer Einstiegsweg zum Berufsziel Underwriter führt über ein Trainee-Programm nach einem abgeschlossenen Studium.</p>
<p>Weil die Nachfrage nach Rückversicherungen begrenzt ist, gibt es weltweit nur eine Hand voll Rückversicherungen: Die größten Rückversicherer weltweit sind Munich Re, Swiss Re und Berkshire Hathaway in den USA. Im deutschsprachigen Raum ist neben  Munich Re und Swiss Re auch die Hannover Rück zu nennen.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Autorenkasten</span></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Autor Felix Scheidl ist 22 und studiert Volkswirtschaftslehre an der LMU München. Das Gespräch hat er mit zwei Aufnahmegeräten mitgeschnitten – aus Sicherheit.</strong></p>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow: hidden;">„Beteiligung an Katastrophenschäden“ steht auf Englisch auf dem Kopf des  Formulars. Im Vertrag geht es um Immobilienschäden, beispielsweise nach  einem Hurrikan. Unter der Unterschrift ist die Summe zu lesen, für die  die Rückversicherung im Schadensfall aufkommen muss: 30 Millionen  US-Dollar.</div>
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		<title>Fotoseminar &#8211; Eindrücke aus Kreuth</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Sep 2010 16:59:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hier mal wieder etwas privates: Ich bin dieses Wochenende auf einem Fotoseminar in Wildbad Kreuth. Einige der Ergebnisse könnt ihr hier sehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier mal wieder etwas privates: Ich bin dieses Wochenende auf einem Fotoseminar in Wildbad Kreuth. Einige der Ergebnisse könnt ihr hier sehen.</p>

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