Geschrieben wie gesprochen: Diesmal sprechen Jonas, 20, und Benedikt, 21, über Herausforderungen bei Bund und Zivi. Unbeeindruckt von der Diskussion um deren Abschaffung. Denn da ist längst noch nichts beschlossen* und so lang wird eingezogen.Aufgezeichnet in einem Café in München. Erschienen in: SPIESSER
Von Felix scheidl, Fotos: Eva Merz
[...]
Benedikt …ist wahrscheinlich gar nicht so einfach mit den Krebspatienten umzugehen, oder?
Jonas Ich hab es mir anfangs eigentlich… also… wir konnten uns das nicht aussuchen, auf welche Station wir kommen… und man gewöhnt sich in gewisser Weise dran. […] Man hat halt den Auftrag, Patient so und so muss man jetzt zur Bestrahlung bringen und dann macht man das.
Benedikt Okay.
Jonas […] Für die Zeit vom Zivildienst fi nde ich es unglaublich spannend, so was mal mitzuerleben, sonst kommt man mit dem Thema ja eigentlich kaum in Berührung. Wie bist du… oder: Warum hast du dich für die Bundeswehr entschieden?
Benedikt Ich war natürlich bei der Musterung und hab mir da natürlich schon paar Gedanken gemacht: Was möchte ich machen. [...] Das Ausschlaggebende bei mir war, dass ich persönlich einfach ein Mensch bin, der eine gewisse Struktur am Tag braucht und der eine gewisse Hierarchie braucht, bestimmte Abläufe… und auch eine besondere Herausforderung. Also ich mag es nicht irgendwie… manche gammeln beim Zivildienst nur ab. Gibts auch beim Bund – gar kein Thema!
Jonas Ja.
Benedikt Aber ich kenn es halt bei vielen aus meinem Freundeskreis: Die hatten dann Aufgaben, wo ich mir denke: „Was hat dich daran persönlich weitergebracht?“ [...]
Jonas Das finde ich jetzt relativ interessant… Ich bin auch ein strukturliebender Mensch und mag es, wenn ein Tag relativ geregelt abläuft und ich wollte in der Zeit auch neue Erfahrungen machen, aber ich habe mich gerade deswegen für den Zivildienst entschieden. [...] Ich hab gespürt,… beim Bund, da ist man mehr eingeschränkt, weil die Persönlichkeitseinschränkungen um einiges größer waren, als jetzt beim Zivildienst.
Benedikt Sicherlich ist es so, auf jeden Fall in den ersten drei Monaten… man muss sich schon ziemlich umstellen. Also besonders die Grundausbildung in den ersten drei Monaten ist schon ziemlich hart. [...]
Jonas Also das… dieses auf der Stube hab ich mir persönlich immer eher so einengend vorgestellt, dass man dann aufeinander sitzt und nicht so recht die Zeit rumbringt.
Benedikt Mmhh, naja… in der Grundausbildung wars tatsächlich so, dass man ’ne ganz enge Gemeinschaft war, also es war wirklich… man kannte sich sehr gut, man hat sich natürlich zwischendrinnen auch unterhalten, über alles.
Jonas Okay. […]
Benedikt Und auf der anderen Seite ist es ja so mit dieser Wehrgerechtigkeit… wenn man keine Lust hat, irgendwas zu machen, bin ich der Meinung, schafft man es auch, ausgemustert zu werden. Dafür gibts genug Möglichkeiten, sich ärztliche Atteste zu besorgen, oder so. Aber ich finde das vom moralischen Standpunkt aus nicht richtig. […] Im Grundgesetz steht, dass jeder Deutsche zum Dienst an der Waffe einberufen werden kann und wenn er diesen Dienst nicht machen möchte, dass er dann ’nen zivilen Ersatzdienst machen kann. So wie du das tust. Is‘ auch in Ordnung so. Aber ich finde nicht, dass sich jemand darum drücken sollte.
Jonas Absolut, das finde ich schön, dass du das genauso siehst. (beide lachen) … Da war ich dann schon bisschen enttäuscht, wie ich gesehen habe, wie ein paar meiner Kumpels das gemacht haben.


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